EPITAPHE - Ewiges Gedenken
Das Epitaph ist zugegebenermaßen kein Alleinstellungsmerkmal evangelischer Kirchen – es ist schon sehr viel älter und auch in mancher katholischen Kirche zu finden.
Aber während es dort Teil einer vergleichsweise üppigen Ausstattung mit mehreren Altären, Bildwerken Heiliger und dem in der Regel über 14 Stationen ausgelegten
Kreuzweg ist, sind Epitaphe neben dem einen Altar und eventueller Emporenbeschriftung oder -bemalung oft die einzigen künstlerisch gestalteten Ausstattungsstücke
evangelischer Kirchen. Dadurch erhalten sie eine andere Aufmerksamkeit.
In der Antike waren diese Erinnerungen an verstorbene Einzelpersonen oder Paare lediglich poetisch aufgewertete Grabinschriften. In der Weiterentwicklung über
memoriale Andachtsbilder und ausgeschmückte Grabplatten wurden daraus seit dem späten Mittelalter künstlerisch aufwendige, oftmals vollplastisch gestaltete
Erinnerungen, die in der Kirche an Pfeilern oder im Altarraum ihren Platz fanden. Mitunter findet man sie auch an den Außenwänden der Kirche oder auf dem Friedhof.
Hier ist Platz, die Verstorbenen ebenso repräsen-tativ, prachtvoll gekleidet, mit voller Aus¬rüstung und dem eigenen Wappen wie gleichermaßen demütig und in größter
Gottesfurcht darzustellen – vielfach mit der ganzen Familie.
Dabei fallen neben den Trauerkleidung Tragenden immer wieder ganz in Weiß dargestellte Kinder auf – die unschuldigen Seelen, die das Kindbett kaum überlebt haben
oder nach wenigen Jahren gestorben sind – und wir werden gewahr, wie präsent der Tod einst in jedem Haus war – dargestellt, wie in Anklam, als Gerippe oder Mann mit
Sense oder Uhr. Kennen Sie solche bildreichen Epitaphe? Dann schreiben Sie mir: klaus-martin.bresgott@ekd.de
Klaus-Martin Bresgott